Die Freiheit, die ich meine

Sebastian Czaja

Freiheit ist das Leitmotiv liberaler Politik. Das ist an sich nichts Neues. Aber was bedeutet eigentlich Freiheit? Welche Freiheit ist gemeint? Ist Freiheit „nur“ ein staatstragender Aspekt, der zu Frieden und Wohlstand führt, mit dem alltäglichen Leben von Ihnen und mir persönlich aber nichts mehr zu tun hat? Und ist Freiheit wirklich so selbstverständlich, wie wir das hier und heute mittlerweile meinen?

Viel und oft ist die Rede von der freien Welt, vom Freihandel oder von Personenfreizügigkeit in Europa. Aber reicht das wirklich aus, den Menschen in unserem Land zu erklären was wir meinen, wenn wir von einem Leben in Freiheit reden? Ist Freiheit wirklich immer und immer wieder nur institutionell zu erklären?

Die Freiheit, die ich meine, die Freiheit, die wir Freien Demokraten meinen, ist so viel mehr als die abstrakte Freiheit von Wirtschaft und Gesellschaft als Kollektiv. Beide Freiheitsbegriffe schließen sich nicht gegeneinander aus. Doch müssen vor allem wir Politiker uns die Kritik durchaus gefallen lassen, das Herunterbrechen des Freiheitsbegriffs auf das alltägliche Leben der Mitte unserer Gesellschaft in Vergangenheit vernachlässigt zu haben.

Die Freiheit, die wir meinen, ist die Freiheit einer Mutter, ihr Kind auf die Schule schicken zu können, die sie für passend hält, und nicht auf die Schule, die ihr durch Losverfahren in ihrem Postleitzahlgebiet zugeteilt wird. Die Freiheit, die wir meinen, ist die Freiheit einer jungen Familie, frei wählen zu können, ob sie den Weg zur Kita mit dem Auto, der Bahn oder dem Fahrrad zurücklegt – und dabei weiter kommt als nur bis zum Innenstadtring. Die Freiheit, die wir meinen, ist die Freiheit aller Arbeitnehmer, sich den Beginn ihrer Rente ab dem sechzigsten Lebensjahr frei wählen zu können und ohne große Hürden auch nach Renteneintritt noch weiter in Teilzeit zu arbeiten – wenn sie denn wollen.

Der individuelle Freiheitsbegriff ist für den Einzelnen wie für uns das Entscheidende, auch wenn viele Menschen sich dessen gar nicht mehr so bewusst sind. Denn anders ist ja nicht zu erklären, dass die Bürger zwar immer fordern, der Staat solle sich möglichst aus allem heraushalten, bei der erstbesten Gelegenheit aber nach eben diesem Staat rufen, damit der bitteschön auch das kleinste Problem lösen möge.

Freiheit ist immer Freiheit in Verantwortung. Gerade im alltäglichen Leben wird das besonders deutlich. Die junge Mutter muss so verantwortungsvoll sein, ihr Kind nicht auf eine zu weit entfernte Schule zu schicken, so dass es zu Nachteilen auf Grund des weiten Fahrwegs kommt. Die junge Familie sollte sich selbstverantwortlich überlegen, ob es sinnvoll ist, einen zehnminütigen Fußweg mit dem Auto zurückzulegen. Und auch der Rentner muss sehen, dass er den Abschluss seiner Karriere eigenverantwortlich regelt, ohne sich selbst oder andere zu sehr zu belasten. Wir wollen die Menschen auf diesem Weg begleiten, sie zwar allein entscheiden aber nicht im Stich lassen. Jeder sollte seinen Alltag so individuell wie möglich gestalten können.

Die derzeitigen Diskussionen drehen sich aber weniger um konkrete Ideen, als um abstrakte, teils populistische Grabenkämpfe. Die Idee der Freiheit gerät dabei unter die Räder. Schlimmer noch: Sie verschwindet langsam aus unserem Alltag. Wir müssen wieder lernen zu erklären, warum freiheitliche Politik wichtig, nicht nur für die großen gesellschaftlichen Fragen, sondern vor allem für unser alltägliches Leben ist. Dabei dürfen wir innovativ sein und gern auch pointiert, aber niemals populistisch. Das unterscheidet uns Freie Demokraten von den Populisten, die mit ihren einfachen Lösungen zwar oft mehr Freiheit versprechen, aber den Menschen damit etwas vormachen und sie täuschen.

Freiheit ist nicht einfach. Sie ist nicht einfach zu erklären und ihre Anwesenheit kann unter Umständen anstrengend sein. Wer in Freiheit leben will, muss lernen, Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung für sich und sein Leben, aber auch für das Leben derjenigen, die durch das eigene Handeln in Freiheit betroffen sind. Eltern sorgen sich am besten um ihre Kinder, nicht der Staat. Mittelständische Unternehmer sorgen sich oft am besten um ihre direkte Umgebung, schon allein, damit ihr Standort attraktiv bleibt. Kinder kümmern sich um ihre Eltern, wenn diese alt und pflegebedürftig werden. Erst wenn diese Mechanismen, aus welchen Gründen auch immer scheitern, dann darf und muss der Staat eingreifen.

Erkämpfen wir uns unsere alltägliche Freiheit zurück! Lassen wir nicht zu, dass ein übermächtiger Staat zu sehr in unsere Leben hineinregiert. Politik soll den Rahmen setzen, in dem sich jeder frei und verantwortungsbewusst bewegen kann. Das ist die Freiheit, die ich meine, die wir Freie Demokraten meinen.