Lasst uns mehr Frauen für technische Berufe begeistern!

Maren

Liberale fühlen sich dem Gebot der Chancengerechtigkeit von Frauen und Männern verpflichtet. Wer sich frei entfalten will, braucht gerechte Möglichkeiten hierzu – unabhängig vom Geschlecht. Wir erkennen an: Frauen werden in vielen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Bereichen strukturell diskriminiert – und sei es nur durch ihre geringe Anzahl und schlechter bezahlten Jobs.

Die geschlechterstereotype Verteilung von Berufen und Tätigkeiten ist dabei eine große Herausforderung: Sie hat eine ungleiche Verteilung von Chancen und Risiken im Lebenslauf zur Folge. Dies drückt sich zum Beispiel  in geringeren Entgelten, schlechterer eigenständiger Absicherung und Altersvorsorge und geringen Anteilen in Führungspositionen aus. Die Berufswahl entscheidet darüber, welche Chancen und Risiken eine Person im Lebensverlauf erhält – oder nicht erhält. Daher ist eine kompetente Berufsberatung erforderlich, aber auch Role Models, die gerade junge Frauen begeistern.

Die BVG-Chefin Sigrid Nikutta beschreibt in einem Interview: Obwohl sie mittlerweile jahrzehntelang in einem technisch-geprägten Beruf arbeitet, wird sie immer wieder mit ihrem Studium der Psychologie verbunden. Wie kam sie also dazu zu ihrem Fach? Ihre Antwort ist so lapidar wie vielsagend – ich zitiere: „Ich kannte keine Frau, die Ingenieurin war oder Technikerin. Ich kannte nur Psychologen. Also habe ich Psychologie studiert.“ Ihr heutiger Rat an junge Frauen bei der strategischen Ausbildungs- und Berufswahl überrascht daher wenig: was Technisches und etwas, wo wenig Frauen sind.

Die Regierungsfraktionen haben beantragt, dass die Reservierungsquote in landeseigenen Unternehmen mit Hilfe von bestimmten Maßnahmen umgesetzt werden soll. Die Zielsetzung des Antrags ist im Grundsatz richtig, aber im Detail verrät er, dass es an einer passenden Strategie fehlt.

Die sogenannte Reservierungsquote in § 7 des Landesgleichstellungsgesetzes besagt, dass in landeseigenen Unternehmen Ausbildungsplätze in Bereichen, in denen Frauen unterrepräsentiert sind, imindestens zur Hälfte an Frauen zu vergeben sind. Wenn nicht genügend Bewerbungen von Frauen vorliegen, die die in der Ausschreibung vorgegebene Qualifikation besitzen, ist die Ausschreibung zu wiederholen. Haben sich nach einer erneuten Ausschreibung nicht genügend geeignete Kandidatinnen beworben, so werden die Ausbildungsplätze nach der Bewerbungslage vergeben (§ 7 Abs. 3).

Seit bald zehn Jahren existiert diese Quote, verändert hat sich nichts. So ist es, wenn man Maßnahmen durchführt und deren Wirksamkeit nicht evaluiert. Die Reservierungsquote kann nicht funktionieren, weil sich insgesamt für technische Berufe zu wenig Frauen überhaupt bewerben. Die Reservierungsquote steht symptomatisch für gut gemeint und schlecht gemacht. Apropos Quoten: Rot-Rot-Grün sollte sich erst einmal an die eigene Nase fassen und bei der Besetzung von Führungspositionen im landeseigenen Stadtwerk das Landesgleichstellungsgesetz umsetzen.

Gott sei Dank haben die anderen aufgeführten Maßnahmen in dem Antrag mit der Reservierungsquote weiter nichts zu tun und enthalten zwar sehr allgemeine aber brauchbare Ideen zur Motivierung von Frauen.

An einer Stelle provoziert der Antrag jedoch zum Widerspruch und deshalb wollen wir diesen Punkt ändern. Er fordert “frauen- und mädchenspezifische Flyer”. Ich meine: Geschlechterklischees werden nicht aufgelöst, indem man rosa Flyer mit Einhorn verteilt! Junge Frauen wollen – und sollen – für technische Berufe auf Augenhöhe mit den jungen Männern angesprochen und begeistert werden. Das belegen Studien. Und das gebietet der Respekt!

Statt altbackener Flyer sollten wir zeitgemäß denken: Wir Freie Demokraten schlagen vor, für die Berufsorientierung Social-Media-Kampagnen zu entwickeln oder auch Online-Spiele sog. “Serious Games” einzubeziehen.

Am wirkungsvollsten sind geeignete Vorbilder, die aus ihrem Alltag in technischen Berufen berichten. Machen wir doch das, was es in anderen Ländern schon gibt, auch in Berlin. Schicken wir Ausbildungsbotschafterinnen in die Schulen. Junge Frauen, die gerade in einer technischen Ausbildung stecken, können schließlich am besten andere für ihren Lebensentwurf begeistern. Trauen wir den jungen Frauen doch etwas zu. Ihnen kommt es auf den Inhalt an und nicht die Verpackung.