Die Schließung Tegels muss verhindert werden.

Von Sebastian Czaja

Nicht erst seit der Coronakrise gilt: Besser eine Rolle Klopapier zu viel im Hause haben als eine zu wenig. Ähnlich verhält es sich – auch wenn das in Berlin nicht jeder wahrhaben will –mit Flughäfen.

Berlin ist in der komfortablen Situation, zwei Flughäfen zu haben. Darunter mit Tegel einen innerstädtischen, ein Privileg, um das uns manch andere Großstadt beneidet – noch. 

Denn trotz der vielen Vorteile, die Tegel uns beschert, hält die Linkskoalition weiterhin daran fest, den Flugbetrieb einstellen zu wollen. Am besten unverzüglich. 

Man muss kein Flughafenromantiker sein, um schnell zu erkennen, dass die Schließung Tegels der Stadt schaden wird. Denn der Flughafenstandort Tegel ist mehr als unsere Rückversicherung für schwierige Zeiten. Er ist ein essentieller Bestandteil der Infrastruktur unserer Stadt – heute und hoffentlich auch morgen.

Die Coronakrise hat uns einmal mehr ins Bewusstsein gerufen: Flughäfen dienen nicht nur dem Tourismus, sondern auch der Versorgungssicherheit und der Unabhängigkeit Berlins.

Kosten und Wege einsparen 

Die vorzeitige Schließung des voll funktionsfähigen Flughafens Tegel wäre unverantwortlich, denn noch ist der BER Zukunftsmusik. Noch werden Lotsen in Tegel geschult, die am BER eingesetzt werden sollen. Noch vertrauen Fluggesellschaften, Personal, Einzelhändler und alle Berliner auf ihren Flughafen TXL. Damit einher ginge ein nicht zu beziffernder wirtschaftlicher Schaden. Eventuelle geringe Einsparungen durch eine vorzeitige Schließung Tegels könnten den Verlust nicht ansatzweise kompensieren.  

Mit der sofortigen Schließung Tegels will die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg jeden Monat einen „mittleren einstelligen Millionenbetrag“ einsparen. Angesichts der Kostenexplosion am BER – statt den ursprünglich angesetzten 1,1 Milliarden Euro kostet er aktuell mindestens  7,1 Milliarden Euro – wird klar, dass das ein vorgeschobenes Argument ist. Im Übrigen gehen die BER-Planer schon heute von einem Finanzbedarf von weiteren 2,3 Milliarden Euro für den notwendigen Ausbau des unfertigen Flughafens aus.

Während man in Schönefeld noch plant und sich streitet, wo und wie ein Regierungsterminal gebaut werden soll, kann Tegel schon durchstarten. Der innerstädtische Standort punktet nicht nur mit kurzen Wegen. Eine wichtige Zeitersparnis, wenn man schnell von A nach B muss. Er erübrigt auch den Neubau in Schönefeld, der mit unabsehbaren Kosten und – wie die Erfahrung deutlich gezeigt hat – einem unüberschaubaren Zeitaufwand, die Berliner Steuerzahler unnötig belasten würde.  

Anwohner und Verkehr entlasten

Es ist eine simple Rechnung: verteilt man eine Last auf zwei Schultern, ist sie leichter. Ein Flughafen verursacht erhöhtes Verkehrsaufkommen und Lärm. Die Zufahrtsstraßen nach Schönefeld sind schon jetzt heillos überlastet, sie tragen Fluggäste, Anwohner und Pendler. Kommen jetzt noch die Fluggäste aus Tegel dazu, droht der unausweichliche Kollaps. Zumal mit der Rückkehr zur Normalität ein deutlicher Anstieg der Fluggastzahlen zu erwarten ist.

Wenn Tegel weiterbetrieben wird, hieße das für die Anwohner außerdem Entwarnung hinsichtlich drohender Mietsteigerungen – auf den verfassungsrechtlich nicht haltbaren Mietendeckel der Linkskoalition können sie sich schließlich nicht verlassen. Um die Lärmbelastung der Nachbarschaft in Tegel künftig zu entlasten, arbeitet schließlich die Industrie im Berliner Umland unter Hochdruck an der Entwicklung erheblich leiserer Flugzeugturbinen. 

Sicher in die Zukunft gehen

Wir sollten uns bewusst sein: Was einmal geschlossen ist, kann nur mit erheblicher Anstrengung wiederbelebt werden. Ob der derzeitige Senat dazu bereit und auch fähig ist, bleibt zu bezweifeln.

Tegel hat uns schon einmal in seiner Geschichte über eine schwere Zeit hinweggeholfen. Am 5. November 1948 landet das erste Flugzeug während der Berlinblockade auf dem zuvor binnen Rekordzeit neu errichteten Flughafen Tegel. Gut 70 Jahre später kämpfen Berlin, Deutschland und die Welt gegen die wohl größte Pandemie seit der Spanischen Grippe in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts – Covid-19.

Auch wenn immer noch nicht jeder Akteur der Berliner Politik die Vernunft als Richtschnur seines Handelns wählt: Vor einer Erkenntnis kann man sich schwer verschließen – und damit spannt sich der Bogen zurück zur Klopapier-Metapher: Niemand schließt etwas, das ihm in schweren Zeiten den Allerwertesten rettet.