Senatorin Scheeres, setzen, sechs!

Paul Fresdorf

von Paul Fresdorf

Die Vorstellung der Maßnahmen zur Durchführung des Regelbetriebes in den Berliner Schulen durch Senatorin Scheeres zeigt eines deutlich: Sie hat die Sommerpause nicht genutzt, um alles erforderliche zu tun, einen geregelten Betrieb an den Berliner Schulen in Pandemiezeiten sicher zu stellen. Die von ihr erbrachten Leistungen sind ungenügend. Weder wurden die Schulen befähigt alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um den Schulbetrieb so sicher wie möglich zu gestalten, noch lässt Senatorin Scheeres erkennen, dass sie die Herausforderungen dieser besonderen Lage erkannt hat.

Die Inkonsequenz und vor allem Inkonsistenz ihres Handelns bringt den Bildungsstandort Berlin nicht voran, sondern schadet ihm einmal mehr. Masken werden nur in den „öffentlichen Bereichen“ in der Schule getragen, im Hort jedoch nicht, in dem sich jedoch die Kinder der verschiedenen Klassen und Jahrgangsstufen mischen. Klassenräume können nicht durchgelüftet werden, da die baulichen Voraussetzungen dazu fehlen. Die Schulbauoffensive inklusive Schulsanierung ist längst in die Defensive geraten, ein Vorhaben, an dem sich Senatorin Scheeres messen lassen wollte. Nun wird uns einmal mehr vor Augen geführt in welch schlechtem Zustand sich viele Schulgebäude dieser Stadt befinden, wenn es nicht mal zum Fenster öffnen reicht. Erinnert sei hier auch an den desolaten Zustand vieler Sanitärräume in den Schulen, welche dringend für die Handhygiene benötigt werden.

Das Grundrecht auf Bildung wird in Berlin sträflich mit Füßen getreten. Die Lehrerinnen und Lehrer hätten mit mobilen Endgeräten mit Zugang zum Internet ausgestattet werden müssen, damit sie im Falle von Schulschließungen überhaupt die Möglichkeit haben, digitalen Unterricht zu gestalten, gleiches gilt für die Schülerinnen und Schüler unserer Stadt. Hierzu gibt es nicht einmal eine Konzeption, sondern nur die öffentlichkeitswirksame Bestellung von Tablets, die in der Stückzahl mit denen von den Schulen gemeldeten Bedarfen weit zurück blieben.

Ferner hätten in den Ferien Seminare zur Durchführung von digitalem Unterricht für die Lehrerinnen und Lehrer angeboten werden müssen, um ihnen das Handwerkszeug mitzugeben, welches sie dringend benötigen. Diese müssen so schnell wie möglich erfolgen, ggf. als Onlineseminare am Nachmittag.

Die Frage der Verwendung der Lehrkräfte, die zu einer Risikogruppe gehören und ihren Dienst nicht in den Schulen machen können, hat Senatorin Scheeres bisher auch nicht beantwortet. Diese Lehrkräfte dürfen zwar nicht in die Schulen, sind aber auch nicht arbeitsunfähig. Hier klare Aufgaben zu definieren und diese gezielt für einen besseren Schulbetrieb einzusetzen, indem sie Kollegen von zu Hause aus unterstützen, ist nicht zu viel verlangt, für Senatorin Scheeres anscheinend schon.

Senatorin Scheeres zeigt deutlich auf, dass sie nicht in der Lage ist die Berliner Schulen auf ein Leben mit der Pandemie einzustellen und das Grundrecht auf Bildung mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln durchzusetzen. Stattdessen verliert sie sich in undurchdachtem, inkonsequentem und inkonsistentem Handeln und gefährdet damit die Zukunftsfähigkeit unseres Landes und die Zukunft vieler Kinder.

Wer so mit dem Amt überfordert ist, sollte dringend nachsitzen, aber nicht auf der Regierungsbank!

Es ist an der Zeit, dass sich Senatorin Scheeres eingesteht, dass sie weder die Bildung in diesem Land, noch diesen Senat weiterbringt. Sie sollte ihr Amt noch vor Schulbeginn zur Verfügung stellen und zurücktreten.