Für eine digitale Ausstattungsoffensive an Schulen – Teilhabe an Bildung ermöglichen!

von Dr. Maren Jasper-Winter

Vor einigen Wochen hat die Schule wieder begonnen. Kein anderes Thema beherrscht die Gespräche an Elternabenden, beim Abholen und Bringen der Kinder mehr: Die Sorge, wie es bei einem erneuten Lockdown oder auch nur einer zeitweisen Schließung der Schule oder einer Klasse mit dem digitalem Lernen weitergeht. Sie, die Kinder, Eltern, Lehrerinnen und Lehrer sind es, die sich allein gelassen fühlen.

Wir haben gesehen, dass im März das System Schule in Berlin krachend zusammengebrochen ist. Damals war es der persönliche Einsatz engagierter Lehrkräfte und nervenstarker Eltern, die trotz aller Widrigkeiten dafür gesorgt haben, dass die Kinder nicht noch mehr Lernstoff verpassen. Heute liegt es an uns, dafür zu sorgen, dass sich ein solches Desaster nicht wiederholen kann. Nie wieder dürfen die Schülerinnen und Schüler die Leidtragenden verpasster Investitionen in die Digitalisierung der Schulen sein-

Von den 776 Berliner allgemeinbildenden Schulen sind 99 noch nicht ans Netz angebunden. Nur die Hälfte der beruflichen Schulen hat schnelles Internet, für die allgemeinbildenden Schulen sind die Glasfaseranschlüsse noch nicht einmal ausgeschrieben. Ohne schnelles Internet ist aber hybrides Lernen nicht möglich.

Nach etlichen Monaten des Lockdown wurden zwar 9.000 Tablets an bedürftige Schülerinnen und Schüler ausgegeben. Dies kann aber nur ein erster Anfang sein. Das Geld für die Infrastruktur ist aus dem Digitalpakt Schule eigentlich da. Es kommt aber nicht an. Von den 257 Mio. € für Berlin, wurden erst 7 Mio. € bewilligt. UNd tatsächlich ist nach Berlin kein einziger Cent geflossen. Der Senat verhungert vor vollen Töpfen.

Neben einer guten Infrastruktur wie Glasfaser und W-LAN brauchen wir auch eine gute Ausstattung der Lehrkräfte und SChülerinnen und SChüler sowie eine Qualifizierung der Pädagoginnen und Pädagogen. Wir Freie Demokraten meine, dass wir die Digitalisierung der Schulen nur in diesem Dreiklang aus Infrastruktur, Ausstattung und Qualifizierung bewältigen.

Es kann nicht sein, dass Lehrerinnen und Lehrer weder über eine dienstliche E-Mail Adresse, noch über ein Endgerät verfügen. Würde ein Unternehmen so arbeiten wie das Land Berlin im Bereich Bildung, und so mit den eigenen Angestellten umgehen, würde es keine zwei Monate überleben. Eine vernünftige Ausstattung der Lehrkräfte ist nicht nur eine Frage der Herstellung ihrer Arbeitsfähigkeit, sondern auch eine Frage ihrer Wertschätzung.

Zur Wertschätzung gehört auch, ausreichend Fortbildungen für die Lehrerinnen und Lehrer anzubieten. Und wir brauchen endlich eine medienpädagogische Strategie im Land Berlin. Leider hapert es hier schon an den Grundlagen: in dem hierfür zuständigen Referat der Senatsbildungsverwaltung von elf Stellen gerade mal vier besetzt sind.

Der Senat geht in bedenklicher Weise mit dem Thema Datenschutz um. Zu dem Lernraum Berlin bemängelt die Datenschutzbeauftragte des Landes Berlin, dass er nicht DSGVO-konform sei. Zu anderen Fragen, wie zum Beispiel zur Beschaffung von Geräten oder Einrichtung von Dienst-Emails wurde sie gar nicht erst vom Senat gefragt. Wenn diese Fragen nicht geklärt sind, werden Familien und SChulen das digitale Lernen nicht akzeptieren. Es wird Zeit, dass sich der Senat hier professionell von den eigenen Beauftragten beraten lässt.

Teilhabe an Bildung ist die entscheidende Gerechtigkeitsfrage unserer Gesellschaft. Der Staat muss jeder und jedem Einzelnen den Zugang zu Bildung ermöglichen – zu jeder Zeit, und zwar auch in Zeiten einer Corona-Pandemie. Und dabei spielt die Digitalisierung eine zentrale Rolle. Deswegen muss die Digitalisierung der Schulen endlich Priorität in der Politik des Senats bekommen. Das sind wir den künftigen Generationen schuldig.

Hier geht es zu unserem Antrag für eine digitale Ausstattungsoffensive an Berlins Schulen.